konzerte

MUSIK ZU OSTERN
2002

MITTWOCH, 27.3.
IN DER MARIENKIRCHE, 18.30 - 21.30 UHR

CHRISTOPH HERNDLER, ORGEL
IMPROVISATION

Welser Rundschau, Do. 4. April 2002, Nr.14
NEUE MUSIK / 3-stündige Orgel-Improvisation des Gaspoltshofners in der Marienkirche

Christoph Herndler zog sämtliche Register


Der Türgriff am Portal zur Marienkirche ist mit einem Schal verhängt. Ein Provisorium als Schalldämpfer, der ein ungestörtes Kommen und Gehen, die Bewegungsfreiheit des Publikums erlaubt. Zugleich eine schöne Parallele zum Provisorium von Christoph Herndlers Orgel-Improvisation, die nicht auf ein fertiges Resultat abzielt, sondern auf den Prozess ihrer Entstehung.
Pedale und Tastatur hat Herndler mit Stäben fixiert, er zieht ausschliefßlich die Register, und zwar so gut wie alle Register. Unterschiedlichste Klang-Assoziationen sind die logische Folge: Man glaubt Züge zu hören, Geräusche von Maschinen und Industrieanlagen, Wind ...
Die Orgelobertöne geben zudem Rätsel nach ihrer Herkunft auf. - Ein idealer Auftakt zu Lienhard Dinkhausers "Musik zur Karwoche", die "im Pavillon" ihre Fortsetzung fand.


Ein radikaler Entwurf mit Nebenwirkungen


Damit ist Herndler, der bei Haubenstock-Ramati und in den USA studiert hatte, ein radikaler Entwurf geglückt. Ein Entwurf, der mit Mathematik ebenso zu tun hat wie mit Meditation, mit Spontaneität wie mit Laisser faire, mit Wildwuchs wie mit Architektur, mit beiläufigem Ambient wie mit höchster Konzentration. Die zivilisatorische Leistung von Herndlers Musik - das Anhalten der Zeit oder wenigstens die Vermittlung einer Ahnung davon - ist nicht zu unterschätzen. Eine Insel der Stille in einem Meer vorbeirasender Eindrücke.
Nebenwirkung: Man verliert über der Versenkung in Herndlers Orgeln das Gefühl für die Zeit. Ist jetzt eine Stunde vergangen, oder waren es zwölf Auflösung: nach objektiver Zeitrechnung waren es exakt drei Stunden. Aber was ist schon objektiv? Sicherlich wären zum optimalen, aktiven Zuhören weiche Sofas passender gewesen als die harten Kirchenbänke. Aber dafür kann der Musiker nichts und der Veranstalter auch nicht. Orgeln stehen nun einmal in Kirchen herum und nicht in gemütlichen chill-out-Zonen.

ANDREAS FELLINGER

 

GRÜNDONNERSTAG, 28.3.
IM PAVILLON, 18.30 UHR

ROBERT BUSCHEK, FAGOTT
ISANG YUN

   
 

Isang Yun

"Ein Komponist kann die Welt, in der er lebt, nicht gleichgültig betrachten. Menschliche Leiden, Unterdrückung, Unrecht... all das kommt zu mir in meinen Gedanken. Wo es Schmerzen gibt, wo es Unrecht gibt, will ich mitsprechen durch meine Musik."
(Isang Yun, 1983).

Das Oeuvre Isang Yuns ist getragen vom flexiblen, lebendigen Ton der traditionellen Musik seiner Heimat. Indem Yun in seine "Hauptton"-Technik Dodekaphonie und "entwickelnde Variation" integriert, steht er auch in europäischer Tradition. Sein Komponieren verschmilzt Östliches und Westliches zu einem singulären Personalstil, der Kunst des gleitenden Übergangs aus dem Geiste des Tao.

Als Isang Yun am 17. September 1917 in der Nähe der südöstlichen Hafenstadt Tongyông geboren wurde, stand die koreanische Halbinsel unter japanischer Fremdherrschaft. Yun beteiligte sich am anti-japanischen Widerstand, wurde 1943 verhaftet und gefoltert. Mit dem Kulturpreis der Stadt Seoul (1955) ausgezeichnet, konnte er 1956-59 in Paris und Berlin studieren. In Berlin lernte er bei dem Schönberg-Schüler Josef Rufer das Komponieren "mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen"; von Deutschland aus fand er den Anschluß an die internationale Avantgarde.

Viel beachtet wurde 1965 das buddhistische Oratorium Om mani padme hum; mit der Uraufführung des Orchesterstücks Réak in Donaueschingen gelang 1966 der internationale Durchbruch. 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul entführt und gefoltert, wurde Yun des Landesverrates angeklagt. In einem politischen Schauprozeß in erster Instanz zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kam er nach internationalen Protesten 1969 frei. 1971 wurde er deutscher Staatsbürger. Von 1970 bis 1985 lehrte Yun Komposition an der Hochschule der Künste Berlin, seit 1974 als Professor. Sein OEuvre umfaßt mehr als hundert Werke, darunter vier Opern sowie mehrere Instrumentalkonzerte. In den achtziger Jahren entstanden fünf große, zyklisch aufeinander bezogene Symphonien; in dieser Zeit entwickelte Yun einen neuen Ton auch in seinen Kammermusikwerken, die durch das Streben nach Harmonie und Frieden gekennzeichnet sind. Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel war zugleich sein politisches Ziel.

     

KARFREITAG, 29.3.
IM PAVILLON, 18.30 UHR

PATRICIA KOPATCHINSKAJA, VIOLINE
PATRICK DE CLERCK
, "IM JENSEITS...IRGENDWO"
VIOLETA DINESCU, "IL FAUDRAIT D'ABORD DÉSESPÉRER..."
JORGE SANCHEZ-CHIONG,
"CRIN"

   
 

Für Patrick De Clerck ist Musik ein wesentlicher und außerdem unentbehrlicher Teil des Lebens. Musik ist Atem, der Atem des Lebens. Musik bringt Leben und verbindet die profane mit der erhabeneren Welt. Auf diese Art ist Musik göttlich; sie macht es möglich, alles zu erreichen. Musik erfüllt und verändert den Menschen, sie führt zu Reinigung und Läuterung. Musik ist ein Kult, und jedes Werk ist ein Ritual. Patrick De Clerck’s Musik bewegt sich in der kultähnlichen Atmosphäre von Giacinto Scelsi. Sie zeigt eine durchdringende Religiosität und, manchmal, eine melancholische Resignation wie die Musik von Arvo Pärt.
Die musikalische Aufführung ist das Ritual des Zuwendens zu einer höheren Welt, das Ritual, irdische und überirdische Welten zu verbinden.

Violeta Dinescu
geb. 1953 in Bukarest, über ihr "Il faudrait d'abord désespérer..." für Violine Solo:
Dieses Stück habe ich im Jahr 2000 für Patricia geschrieben. Der Titel - ein Zitat aus Sören Kierkegaards „Krankheit zum Tode“ - schafft den Raum der Klänge, bestimmt die formale Struktur und fordert eine persönliche Auseinandersetzung, sodass eine intensive Aussage entstehen kann. Die Interpretation soll der Assimilationsprozess einer Lebenshaltung sein. So wird das Stück eine Art "Drama in nuce" ohne eigentliches Musiktheater zu sein. Die kreative Interpretation ist durch eine Flexibilität der Notation ermöglicht, sowohl auf der rhythmischen, als auch auf der melodischen Kontur-Ebene. Eine sorgfältig vorbestimmte Interpretation ist zwar erlaubt, eher erwünscht ist aber eine Interpretation, die sich aus dem Augenblick entwickelt. "Il faudrait d'abord désespérer..." ist auch als Projektion von Lebenswegen zu verstehen, die unerwartet neue Ausschnitte haben, die im Detail minimale Veränderungen bringen, welche aber allmählich gewaltige existentielle Wendungen öffnen. Die musikalische Struktur ist am Anfang durchsichtig und klar, dann wird sie leichte "Artikulation" bekommen, die aber "katastrophale" Dimension erreicht. Nach diesem Veränderungsprozess initialisiert sich eine andere musikalische Struktur, Spuren der ursprünglichen Struktur sind nur noch auf der Oberfläche zu finden...
Violeta Dinescu

Jorge Sanchez-Chiong
"Crin" für Sologeige (1996-97)
Ob sich - wie zerstobene Mähne eines scheuenden Pferdes, das im dürren Baumstamm Zähne und Krallen eines riesigen Wolfes sieht - mein in Splitter zerborstener Vers erhebt? Nun, gleichwohl erhebt er sich! (José Julián Marti)
Der kubanische Dichter José Julián Marti (1853-1895) lebte und starb als Freiheitskämpfer für Kuba. Aber der Mittelpunkt seines Schaffens war die eigene poetische Sprache, die allerdings von Gegnern des Modernismus stark kritisiert wurde. Das Gedicht "Crin hirsuta" - zu Deutsch "Pferdehaar" - zählt sprachlich zu seinen vollkommensten Texten. Inhaltlich ist es eine Hinneigung zum "Wildklingenden", eine Aufforderung zu Extrovertiertheit ("so als ob / eine Klinge sich in die Nacken eines / Stieres bohre, Blut soll zum Himmel spritzen"), die - vielleicht unerwartet - mit einer schlichten Aussage endet ("...Nur der Liebe entspringen Melodien"). Aus handwerklicher Sicht fällt das Kalkulierte der Ausführung als anscheinender Widerspruch zum Inhalt auf; - Martis Achtung fur Wissenschaft und methodisches Denken, stellte für ihn eine Voraussetzung fur das Schreiben dar.

"Crin"
ist aber auch ein Material des Geigenbogens: das Bogenhaar. Mein CRIN versucht - so wie Martis Text Poesie über Poesie ist - durch die Sologeige Musik über Musik zu sein: die Parallele zur Literatur sind keine aussermusikalischen Einflüsse, sie sind bloss "das Musikalische". So lässt sich das Extrovertierte, das Wilde, das Komplexe und zugleich Schlichte als Hauptanliegen im ersten und gewissermassen auch im kürzeren zweitem Teil vom Crin erkennen. Beide Teile werden ohne Unterbrechung nacheinander gespielt und zeigen eine geringe Anzahl verschiedener Tonhöhen; das Stück ist, sozusagen, harmonisch statisch. Die harmonische Schlichtheit ist nicht technisch-kompositorisch, sondern spieltechnisch begründet: sie ermöglicht die Ausführung von Mehrklängen, Floskeln, linke-Hand-pizzicati und einer komplexen Rhythmik. Während der Entstehungszeit des Stückes hatte ich oftmals die Gelegenheit, mit der jungen Solistin Patricia Kopatchinskaja zusammenzuarbeiten und Fragen bezüglich des Geigenspiels auszuprobieren. Ihr ist CRIN gewidmet.
Jorge Sanchez-Chiong

     
   

KARSAMSTAG, 30.3.
IM PAVILLON, 18.30 UHR

PETRA ACKERMANN, VIOLA
ADA GENTILE

   
 

Ada Gentile
studied music at the Conservatorio di S. Cecilia in Roma, obtaining a diploma first in piano and then in composition under the guidance of Irma Ravinale.
She attended the post-graduate composition course taught by Goffredo Petrassi at the Accademia Nazionale di S. Cecilia. She established her reputation in various international competitions (the Gaudeamus in Amsterdam in 1982, the I.S.C.M. in Budapest in 1986, the I.S.C.M. in Essen in 1995). Her works have been performed all over Europe, in the USA, in Japan, in Australia, in Canada, in Asia and in South America in prestigious venues such as the Centre Pompidou in Paris, the Teatro Reale and the Centro de Arte Reina Sofia in Madrid, the Carnegie Hall in New York, the Mozarteum in Salzburg, the Art Institute in Chicago, the Ferenc Liszt Academy in Budapest, the Accademia Nazionale di S. Cecilia, the Teatro La Fenice in Venice, the Teatro Carlo Felice in Genoa, the Gärtnerplatztheater in Munich, the Radio Hall of SfB in Berlin, the Academy of Music in Krakow, etc.
She has been invited to the most important international festivals (Paris, London, Stockholm, Darmstadt, Cologne, Heidelberg, Huddersfield, Brighton, Vienna, Salz-burg, Madrid, Alicante, Barcelona, New York, Boston, Chicago, Adelaide, Canberra, Prague, Montreal, Zagreb, Belgrade, Tallin, Aarhus, Copenhagen) and has received various commissions from RAI in Naples, Milan and Rome, from the Accademia di S. Cecilia, from the French Ministry of Culture, from the Munich Biennale, from the Commune of Genoa (for the centenary of the death of Eugenio Montale) and from the Centro Coordinamento Culturale in Venice. She has held conferences in prestigious universities such as Northwestern University and the University of Chicago, the Academy of Music in Krakow and the University of Madrid. In 1988 the Award for Cultural Merit was conferred on her by the Polish Ministry of Culture. Since 1994 she has been member of the SIAE (Società Italiana Autori Editori). In April '94 she had the honour of inaugurating the 4th Edition of the Munich Biennale with a chamber opera which ‘sold out' completely at its 3 performances in a 1200-seat theatre and was a great success with critics and audiences.
Numerous works by her have been recorded on CD.
From 1986 to 1988 she was artistic director of the Goffredo Petrassi Chamber Orchestra, and for 20 years she has been artistic director of the festival Nuovi Spazi Musicali which takes place annually in Rome and which has the aim of promoting contemporary music. From 1993 to 1997 she was on the governing board of the Venice Biennale; since 1997 she has been an honorary member of the association "Amici dell'Accademia di S. Cecilia". Since August 1996 she has been artistic consultant of the Teatro Lirico V. Basso in Ascoli Piceno. He holds a chair at the Conservatorio di S. Cecilia. Some of her works for orchestra have been performed by conductors such as Vladimir Fedosseyev, Lev Markiz, Isaac Karabtchevski, Paul Méfano Giampiero Taverna, Marcello Panni, Flavio Scogna and Francesco Vizioli.

     
 
  SOMMERFRISCHE
2002
   
 

FREITAG, 21. JUNI 2002, ab 18 UHR
DIE GESCHWISTER NEUBAUER

 

 

   

Sie kommen wieder!!
Die Geschwister Neubauer aus Lebring mit ihrer Mutter. Zum steirischen Abend.
Wie versprochen, nach dem grossen Erfolg des letzten Jahres. Die Mutter bringt steirische Kost, die Geschwister bringen die Musik.
Kerstin: Gitarre (Gewinnerin mehrerer internationaler Wettbewerbe)
Alexander: steirische Harmonika (Klarinettist der Wr. Symphoniker)
Daniel: hölzernes Glachter, Xylophon (Trompeter im Grazer Opernorchester)
Dazu steirisches Bier (Dank an Margit & H.J. Wanik, GH Gösserbräu), Wein & Kernöl.
Und sollte bei Ihnen daheim eine einzelne steirische Weinflasche im Weg stehen,.....
Eintritt freiwillige Spenden
Jetzt bitten wir um schönes Wetter